Schankmaid auf Abwegen

Als nächstes stehe ich vor der Herausforderung, eine selbstbewusste Frau bei DSA zu spielen – wird sicher interessant, und ich bin gespannt, sie kennenzulernen. Für unkundige sei vielleicht erwähnt, dass Rahja die Göttin der Lust, des Rausches und der Pferde ist…

Sie war keine Diebin, auch wenn das auf ihrem Steckbrief stand. Sie hatte sich lediglich den Teil ihres Lohnes geholt, den ihr „Arbeitgeber“ ihr stehts unterschlagen hatte, durch überteuerte Kost und Logi, durch „schwere Zeiten“, was aus seinem Munde soviel hieß wie „eine Pechsträhne im Spiel“, oder durch offensichtlich falsch zusammengerechnete Geldsummen. Sie hatte auch nicht vor ihn zu töten, wie er nun wahrscheinlich überall behauptete, als sie ihm das Stuhlbein über den Schädel zog, sie hatte ihn lediglich ausgezahlt – für die ständig geifernden Blicke, für den „freundschaftlichen“ Klapps auf ihr Gesäß, der viel zu regelmäßig vorkam, und für die „versehentlichen“ Besuche beim waschen morgens.

Als Schankmaid hatte sie vermutlich annähernd so oft Männerhände auf ihrem Hintern wie die Damen in Rahjagefälligeren Etablissements, und sie hatte es auch durchaus schon zu ihrem Vorteil genutzt, dass ein etwas gewagteres Mieder und ein schelmisches Lächeln sich häufig auszahlten. Einem betrunkenen Kerl sitzt das Geld nunmal fast so locker wie sein Mundwerk, und mit der unterschwelligen Hoffnung, dass sie ihnen gewogener sein könnte, verdiente es sich ganz gut. Mit den Jahren wusste sie die Leute auch einzuschätzen, kannte ihre Kundschaft, und wich fast schon instinktiv den aufdringlicheren unter ihnen aus, während sie beständig darauf hoffte, dass sich wieder mal betrunkene Adelssöhne wie dieser Helmbrecht von Baliho einfinden würden. Ob es an seinem Unermesslichen Reichtum oder eher an seiner betrunkenen Aufschneiderei lag, dass er sein Bier mit einer Dukate bezahlt hatte, vermochte sie nicht zu sagen, aber etwas an ihm und dem Leben was er und seine Mitreisenden verkörperten hatte sie fasziniert – die Freiheit, das Abenteuer, die fernen Länder – Dinge die sie als Mädchen aus einfachen Verhältnissen nie selber erleben durfte. Er hatte ihr eine Menge zu erzählen gehabt, und heute ärgerte sie sich, dass sie nicht einfach mit seiner Abenteurertruppe mitgezogen war – dann wäre sie wenigstens in Begleitung und ohne Steckbrief am Hals aus dem Ort gekommen.

Sie hatte die Wochen nach dem Besuch der Abenteurer etwas an ihrem Wirt bemerkt, ihr letztes Gespräch in den frühen Morgenstunden, nachdem sie die Schankstube gefegt und die Theke gewischt hatte, kam trotzdem recht überraschend. Anscheinend war ihm die Dukate aufgefallen, und der Fakt, dass sie die Nacht nicht in ihrer Kammer verbracht hatte – zumindest sprach er von Hurengeld und forderte seinen Anteil – und sein Verhalten machte deutlich, dass es ihm nicht nur um den Anteil am Gelde ging. Auch wenn er sich ihr gegenüber bisher schon widerlich genug aufgeführt hatte, war er bisher noch nie zudringlich geworden – bis zu jenem schicksalsträchtigen Morgen. Sie konnte sich nur noch verschwommen daran erinnern, das Stuhlbein unter dem Tresen hervorgeholt zu haben, was dort eher für unangenehme Kundschaft bereitlag, aber eh sie sich versah hatte der lüsterne Wirt mit einem dumpfen Schlag auf den Kopf die Balance verloren und fand sich sehr zu seiner Verwunderung auf dem Boden wieder. Eigentlich hätte die Situation damit ja geklärt sein können, doch statt sich dieser eindeutigen Abwehr zu fügen begann der sich auf den Knien haltende mit einer unflätigen Schimpftirade, die nur durch einen zweiten Schlag aufgehalten wurde. Mit einem Schläfentreffer sackte der dicke, angetrunkene Mann zusammen und gab endlich Ruhe. Während der Wirt das Bewusstsein verlor, kam seine Schankmaid wieder zu sich, ließ den Knüppel fallen und begutachtete den Schaden. Erst als sie sich vergewissert hatte, dass der Hausherr nicht von ihrer Hand sein Leben aushauchen würde, fasste sie sich ein Herz, nahm die mageren Einnahmen des Abends aus der Kasse, packte was sie von ihren Habseligkeiten tragen konnte und das Stuhlbein ein und machte sich auf zur Hauptstraße.

Nutcracker

Von allen meinen Charakterkonzepten dürfte Lucy „Nutcracker“ Bowles mir am sympathischsten sein. Trotzdem sind ihre Ansichten nicht zwangsläufig meine eigenen. Irgendwie hört sich das nämlich alles noch viel zu heteronormativ an, und in einer Welt, in der es einen ganzen Sack voll Metamenschen wie Zwerg*innen, Elf*innen und Troll*innen gibt, ist es noch absurder, von zwei Geschlechtern zu reden.

„Pass mal auf Schätzchen, ich erkläre dir das genau einmal. Wir haben zusammen einen Job zu erledigen, nicht mehr und nicht weniger. Der Johnson meinte, dass du son bisschen was zaubern kannst, und wenn das stimmt, dann zauberst du halt wenn die Situation das erfordert, und ich schieße wenns nötig ist ein paar mal. Wir müssen keine Freunde werden, deshalb schätze ich dich einfach oberflächlich ein und das wars. Ich nehme an das du einen Schwanz hast, so wie du dich verhältst keinen sonderlich großen, und das reicht mir zu dem Thema. Vielleicht bist du ja ein ganz netter Chummer, und irgendwann quatschen wir ein bisschen, aber sexistischen Scheiß will ich nicht weiter hören. Sonst“, und bei diesem letzten Satz beugte sie sich nach vorne, damit er ihr Gesicht, und nur noch ihr Gesicht sehen konnte, „findest du raus wie ich zu dem Namen „Nutcracker“ gekommen bin. Comprende?“ Der Magier in ihren Händen nickte und wurde wieder auf seine Füße gestellt.

Wenn sie ehrlich war, hatte sich Lucy „Nutcracker“ Bowles ihren Spitznamen an einem heißen Sommernachmittag nach der High School mit ihren Freundinnen ausgedacht, als eine Freundin meinte, dass sie mit ihren 2,30m wohl deswegen immer noch nicht ernst genommen wurde, weil „Lucy“ einfach zu nett klang. Lucy hatte deswegen unter anderem an der Schule eine lange Liste an Verweisen für Schulhofschlägereien erhalten, allerdings selten zweimal mit dem selben Kerl. Eigentlich hatte sie ja nichts gegen Männer. Also, zumindest gab es genügend Frauen die sie mindestens genauso ätzend fand wie so den typischen Straßenmacho. Das Problem mit vielen Typen war, dass sie anfingen, aus ihrer offensichtlichen biologischen Weiblichkeit irgendwelche Schlüsse auf ihren Charakter zu ziehen, oder versuchten sie in die Kiste zu kriegen. Meistens reichte ein klärendes Gespräch wie mit diesem Magier, der sich anscheinend mit seinen 1,85m erst einmal dran gewöhnen musste, dass eine Frau ihn am Schlafittchen gepackt und an die Wand gedrückt hatte. Ihre üblichen Chummer, die das Schauspiel mit einer Mischung aus Amüsement und Wachsamkeit beobachtet hatten, kannten sie zum Beispiel gut genug um zu wissen, dass sie mit Lucy eine sehr zuverlässige Mitstreiterin hatten, und sie kannte sie inzwischen gut genug, dass sie mit den Jungs auch mal derbe Witze machte. Mit Samthandschuhen angepackt zu werden war nämlich das letzte was sie wollte.

Nun also ein Magier. Ihre kleine Truppe, die ursprünglich aus ein paar High School Abgängern bestanden hatte, mauserte sich. Und wenn der nächste Run so profitabel war, wie er sich anhörte, könnten sie sich vielleicht danach endlich mal etwas bessere Ausrüstung leisten. Momentan war ihre Schrotflinte und die Motorradjacke wohl eher Gangniveau als professionelle Arbeitskleidung des organisierten Verbrechers. Andererseits waren ihre bisherigen Aufgaben auch nicht viel ruhmreicher gewesen als ein hit auf den nächsten Stuffer Shack.

Verheizt. Das war der Ausdruck, der ihr in den Sinn kam, während sie noch unter Schock davonlief. Die anderen hatten anscheinend nicht so viel Glück, da half es auch nicht, dass der „Magier“, der ihnen zugewiesen wurde, sich wohl eher als Scharlatan entpuppt hatte und sich nach einem gescheiterten Heilungsversuch bei ihren Kollegen einfach davongemacht hatte. Es hatte alles damit angefangen, dass ihr Hacker statt den Detektorzaun sich selbst mit dem Black IC ausgeschaltet
und ihnen nebenbei die gesamte Security direkt an den Zaun beordert hatte. Das Gefecht dauerte nicht lange, und eigentlich hätten sie sofort Land gewinnen sollen, dann wären ihre Freunde… Waren sie nicht vielleicht noch am Leben?

Raus. Raus hier. Weg. Weg aus dieser Stadt. An den abend erinnerte sie sich kaum, an den vielen Synthohol, die Schlägerei in der Bar, aus der sie schließlich geworfen wurde, als die Türsteher einen Troll dazugeholt hatten, all das war verschwommen in einem Sog aus dem Rausch des billigen Fusels und der Erinnerung, die sie versucht hatte wegzutrinken, die Erinnerung von Leichensäcken, die achtlos in einen Pick-up geworfen wurden… Ihr Johnson war gut informiert gewesen, anscheinend hatte er den run von irgendwo aus beobachtet. Seine Nachricht war nicht unerwartet, wenn auch von einer eiskalten Härte, die selbst sie noch getroffen hatte:
„Ihnen sollte bewusst sein, dass ich jede Verbindung zu ihnen abstreiten werde. Offensichtlich erfüllen sie nicht meine Anforderungen an Professionalität. Teilen Sie Ihren Freunden – sollten tatsächlich welche überleben – mit, dass keine Kontaktaufnahme erwünscht ist.“

Früchte Des Zorns Übersetzung „Ein geflicktes „Wir“ und ein kaputtes „Ich“

Ich nutze meinen blog temporär, um anderen Beteiligten meine vorläufigen Übersetzungen der Liedtexte vom Album „Unter unserer Haut“ der Früchte Des Zorns zukommen zu lassen. Kommentare dringend erwünscht! Wenn ihr mitmachen wollt, tragt euch im Doodle ein

A patched “we” and a broken “I”

We sit here together, lacking our peace and luck
And even if you scream, you won’t bring it back
We sit here and wait, not knowing what we’re waiting for
While ourselves and our limitations, become invisible and pale
We are a hole without a bottom, we both hang in the air
Between what was once so close, there now is an abyss.

No, friend, no, lover, we can’t go on like this
Because what would be left of us
Is a patched “we” and a broken “I”

We had our good times, And when I think of them I am rich
But now we spend more time with fighting, and with a play of power
This has been going on for weeks, and a gloomy feeling lies upon us
How much can you bend yourself when you want to be happy?
We talked it over a thousand times, sometimes calm, sometimes ugly, sometimes stressed
We cried, we cursed, we puzzled, but we never put all the pieces together.

No, friend, no, lover, we can’t go on like this
Because what would be left of us
Is a patched “we” and a broken “I”

I know I’ll miss you, to be honest, I already do.
But where there’s anger there’s also love, and I valued a lot about you.
I stayed a long time, because I feared that you might fall,
But I cannot save you, if you cannot save yourself.
I hope we have a soft landing, I wish us strength, I wish us something to hold on to
I know the next weeks will be pretty cold.

No, friend, no, lover, we can’t go on like this
Because what would be left of us
Is a patched “we” and a broken “I”

No, friend, no, lover, we can’t go on like this
Because what would be left of us
Is a patched “we” and a broken “I”

Früchte Des Zorns Übersetzung „Unsa Haus“

Ich nutze meinen blog temporär, um anderen Beteiligten meine vorläufigen Übersetzungen der Liedtexte vom Album „Unter unserer Haut“ der Früchte Des Zorns zukommen zu lassen. Kommentare dringend erwünscht! Wenn ihr mitmachen wollt, tragt euch im Doodle ein

Our House

A house for all who disagree
A home in the streets, that don’t belong to us
They have bought it, they want to tear it down
Because we disturb their order
But I feel at home here, Life goes on here
Ideas form each other
This is my place to meet, my place to talk
In a world, where there are no places for us

It is our house! It is our house!
It’s dirty, broken, ugly, but beautiful nonetheless
It is the loud NO! It is the loud NO!
With Exclamation marks behind it.

In your material world, in your tidy city
Our dreams are worthless.
We are the cracks in your order
And now you hunt for those cracks
So no one will hear us talk back
But this is not about real estate, this is not about money
And all your worthless riches.
This is about the question
Who owns the world?
What is right? And what is wrong?

It is our house! It is our house!
It’s dirty, broken, ugly, but beautiful nonetheless
It is the loud NO! It is the loud NO!
With Exclamation marks behind it.

You’ve taken so much from us, what’s left is our rage
But be careful, because it returns
‘cause with every brick that you tear from the wall, you tear away a piece of us
And don’t think we will watch, as you eat our dreams
Your air will burn if you don’t let us breathe
Your air will burn if you don’t let us breathe

It is our house! It is our house!
It’s dirty, broken, ugly, but beautiful nonetheless
It is the loud NO! It is the loud NO!
With Exclamation marks behind it.

Früchte Des Zorns Übersetzung – Nichts ist Vergeblich

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Nothing’s In Vain
With a stack of paper, you stand at the subway station.
Armed with words, printed at the copy-shop.
They shall shake this world, and its humans
That you love
And sometimes hate.
People take the paper, fold it into their pocket
Or into the trash can, and pass by without a word.
You are hit by their sneers, while others are hit by bombs
And you stay there
For a long time

First come the news, then comes the movie
And most people have already forgotten the news then.

And all your sorrows, and the sleepless nights,
Are not embarrassing.
No, they are beautiful!
And the dreams in your head, that you shake way too often,
they are not unrealistic.
No, they are beautiful!

Are you man or woman? It echoes down the street.
Contempt in their looks, violence in their words.
And you become the canvas they project their dirty film on,
while all you want, is to have your peace.
And tomorrow you’ll ask yourself, if you dress pretty,
or save yourself from the hassle.
And on the news, they always speak of “Terror”.
While you think to yourself “I know what that means”.
And all your love, and your desires, they are not sick,
No, they are beautiful!
And the twinkle on your temples, which is only make-up
Because your daily life doesn’t provide it
It is beautiful!

You argue with your husband about racist jokes.
You’re sick of talking, your mouth is sore.
The world seems frozen, and full of idiots,
while you look for change, and how to achieve it.
And on the news, they’re counting the dead,
while look for those who are still alive.

And all your hope, and your deeds, they aren’t stupid,
No, they are beautiful!
And your perseverance, in a world that smothers us,
It isn’t naive, no, it is beautiful!

The loneliness you feel, between many people
is the discontent with this world.
And your fury about those that don’t know the difference between “peaceful” and “pacified”
and all your tears, they are beautiful!
And everything makes sense, every second. (eventuell „minute“, ist wohl gebräuchlicher)
Nothing’s in vain, Nothing is lost!
We are alive, feel your heart beat.
Nothing’s in vain, Nothing is lost!